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Sollten Kurzstreckenflüge verboten werden?

Einige Staaten haben solche Regelungen bereits eingeführt. In Österreich beispielsweise gibt es auf der 270 Kilometer langen Stecke Wien-Salzburg keine Flüge mehr. Und Frankreich erlaubt nur noch Kurzstreckenflüge, wenn die Reise mit dem TGV mehr als 2:30 dauern. Deutschland ist am Vorbereiten einer ähnlichen Regel (ob Deutschland mit seinem maroden Eisenbahnsystem in der Lage ist, ein äquivalentes Verkehrsmittel offerieren zu können, ist allerdings eine andere Frage). In der Schweiz erübrigt sich das Thema weitestgehend, weil die geringen Distanzen keine ökonomische Grundlage für Kurzstreckenflüge darstellen.

Forschende haben nun im «Journal of Transport Geography» nachgewiesen, dass die Kurzstrecken einen viel kleineren ökologischen Fussabdruck verursachen als Langstreckenflüge, zumal auch kleinere, teilweise Propeller-betriebene Flugzeug mit einem wesentlich geringeren Treibstoffverbrauch zum Einsatz gelangen. In einer Studie haben sie alle Kurzstreckenflüge der EU, der Schweiz, Norwegens und Islands ausgewertet und kommen zum Schluss, dass 28% dieser Flüge höchstens 500 Kilometer lange Strecken flogen und deren Treibstoffverbrauch keine 6% des insgesamt ausgelieferten
Kerosins ausmachten.

Die Berechnungen des relativen Verbrauchs – pro Sitzkilometer – ist im Prinzip irreführend. Massgebend ist vielmehr der absolute Ausstoss an Klimagasen, und in welchen Höhen dieser stattfindet. Die folgende Statistik aus dem Jahre 2018 (Quelle: NZZ vom 29.10.2022)

Flugsegment in KmAnteil dieser Flüge anzurückgelegter DistanzAnteil dieser Flüge am Gesamt-kerosinverbrauch
unter 200 4,5 %0.3 %
200 – 50023.4 %5,6 %
500 – 1’00028.7 %12.0 %
1’000 – 2’00027.4 %21.2 %
2’000 – 3’0007.3 %9.5 %
3’000 – 4’0002.5 %4.4 %
über 4’0006.2 %47.0 %

Diese Zahlen entsprechen der Logik: Mit dem Aufkommen von Flugzeugen mit extrem grosser Reichweite steigen die geflogenen Distanzen, auch wenn die Anzahl dieser Flüge (6.2%) relativ klein bleibt. Jedoch trägt die benötigte Treibstoffmenge, die ja zu Anbeginn mitgeflogen werden muss und erst im Verlaufe des Fluges reduziert wird, zum hohen Treibstoffverbrauchs-Anteil bei. Denn: je höher das Flugzeuggewicht, desto höher der Verbrauch. Somit schneiden die Kurzstreckenflüge – eine Angebots-Spezialität des EuroAirport – wieder besser ab als allgemein angenommen.

Billige Kleider – hohe Umwelt-Kosten

In den (sozialen) Medien ist bekanntlich die Rede von den grossen Umweltbelastungen durch die Fliegerei; sie wird gar als Umwelt-Killer dargestellt. Aufforderungen, Flugreisen unbedingt zu vermeiden, und Modebegriffe wie Flugscham machen die Runde. A propos Mode: in der Basler Zeitung vom 31. August 2021 erschien nun ein sehr interessanter Artikel, der auch für Aviatik-interessierte Kreise von Interesse sein dürfte. Die Rede ist von billiger Mode, sogenannter Fast Fashion.

Von den jährlich rund 100 Milliarden verkauften Kleidungsstücken landet gemäss einer UBS-Studie mehr als die Hälfte innert einem Jahr auf der Müllhalde oder in der Kehrichtverbrennung.“ Es ist allgemein bekannt, dass vor allem junge Frauen über Versandhäuser Kleider bestellen und sie anschliessend wieder zurücksenden. Ebenso bekannt ist, dass diese Kleider – oftmals sogar ein einziges mal an der letzten Wochenend-Party getragen – in der Regel nicht mehr in den Wiederverkauf gelangen, da die Reinigung, Wiederaufbereitung und Verpackung teurer ist als deren Entsorgung. Die Ellen MacArthur Foundation schätzt, dass in den USA 60 Prozent dieser Kleider ungetragen wieder weggeworfen werden!

Recycling ist bei Stoffen aus Mischfasern sehr problematisch, da die Zusammensetzung der Stoffe meist falsch deklariert ist. „Das Recycling befindet sich noch im vorindustriellen Zeitalter. Die Fasern werden zerstückelt und beschädigt, woraus nur minderwertige Ware hergestellt werden kann. In der Umweltbilanz liegt die Modeindustrie weit hinten. Weniger als ein Prozent der Kleiderproduktion wird wiederverwertet.“

Über die sozialen Aspekte der Billig-Produktion in armen Ländern soll hier nicht näher eigegangen werden, aber „die Modeindustrie fällt jedes Jahr 200 Millionen Bäume allein für Rayon- und Viscosefasern (…), zudem werden 3,5 Milliarden Bäume für Verpackungsmaterialien verbraucht. In den nächsten zehn Jahren müssen für die Mode doppelt so viele Bäume wie heute gefällt werden, die zur Reduktion der Klimagase fehlen werden.

Und jetzt kommts: „Der Flugverkehr ist gemäss der Citygroup für 2-3 Prozent der klimaschädlichen Emission verantwortlich – die Modebranche muss sich 10 Prozent anrechnen lassen.“ Offenbar spricht sich langsam um, dass sich die CO2-Produktion der Fliegerei in diesem niederen Prozentbereich bewegt.

Résummée: Die Flugzeugindustrie kann vermutlich als einziger Forschungszweig echte Bemühungen und wirklichen Umweltfortschritt vorweisen.  Während Flugzeuge der neuesten Generation einen Treibstoff-Minderverbrauch von bis zu 25% gegenüber der Vorgängerversion – und somit entsprechende Co2-Minderproduktion – beweisen können, machen andere Tendenzen (für vorwiegend junge Leute) mit dem Co2-Ausstoss flott vorwärts. Die Flugscham ist also, entgegen dem Trend, in den wenigsten Fällen berechtigt!


Verschiedene Artikel

Handgepäck! Über die Unzulänglichkeiten und Gefahren des Handgepäcks in den Flugzeugen. Ein Bericht von Robert Appel

In unserer «Hauszeitschrift» SkyNews erschienen von Robert Appel, die folgenden zwei Artikel:

Das Boeing 737Max-Drama, und

Das Ende der Jumbos.