Sanierung der Hauptpiste des EuroAirport – ein Rückblick
Zwischen dem 15. April und dem 21. Mai 2026 war der Mittelteil der Hauptpiste 15/33 (3’900 Meter) sowie der Taxiway Bravo (Twy B) wegen Belagsarbeiten vollständig gesperrt. Die Querpiste 07/25 stand zwar für Starts und Landungen grundsätzlich für kleinere und leichtere Maschinen zur Verfügung, aber aufgrund der Windverhältnisse mussten einige Flugbewegungen ausfallen, was verärgerte Passagiere zurückliess. Deshalb kann vermutet werden, dass die betroffenen Airlines – hauptsächlich easyjet – damit weder sich selbst noch ihren Passagieren einen wirklichen Gefallen tun konnten.
Bereits Jahre vorher begann die Gesamtplanung, und Wochen vor Beginn der Arbeiten wurden für die Bauarbeiten die Infrastrukturen und Bereitstellungsplätze eingerichtet. Diese Vorbereitungen – Erstellen von Zusatzwegen, provisorischen Zement- und Kiessilos, Betonmisch- und Abfüllanlagen, Bereitstellungsplatz für die 400 Baumaschinen, Bürocontainer, Aufenthaltsräume und sanitäre Anlagen für die Bauarbeiter etc. Und natürlich wurden die verwendeten Baumaterialien auf den Platz gekarrt: Rund 16’000 m3 Beton (für die Piste) und 45’000 Tonnen Teermischung für den Taxiway. Das sind beeindruckende Zahlen! Für die eigentlichen Bauarbeiten wurden 6 Wochen eingeplant; darin inbegriffen war eine Woche zeitlichen Puffer. Dieser erwies sich zum Glück jedoch als unnötig, denn dank des optimalen Wetters konnte bereits Ende April der letzte Beton gegossen werden.
Die Arbeiten an der Piste: Repariert werden musste nicht die ganze Landebahn, sondern das eigentliche Herzstück von rund 1’500 Metern Länge auf einer Breite von 24 der 60 Metern, also dort, wo die Flugzeuge den Boden am stärksten belasten. Der alte Belag wurde aufgebrochen, abgeführt und der Unterboden angepasst und mit Armierungen versehen. Der Beton ist nun mit 38 cm um 3 cm dicker als die alte Decke. Der neue Belag wurde in mehreren Streifen jeweils in zwei Etappen gegossen, indem die erste Maschine 30 cm Beton legte, die dahinter mit der zweiten, ergänzenden Schicht ergänzt wurde; dies bei einer Geschwindigkeit von 50 Metern pro Stunde! Der gegossene Beton wurde anschliessend maschinell glattgestrichen und mit den vorgeschriebenen Querrillen versehen, die das Regenwasser zu den seitlichen Pistenrändern führt. Damit war der Runway jedoch noch lange nicht fertig, denn in Abständen von 4 Metern, längs- und quer, mussten die Dilatationsfugen gefräst und mit Bitumen aufgefüllt werden, um bei Temperaturunterschieden die Oberflächenspannung zu reduzieren, was sonst zu Rissen führen würde. Auch die Bodenhaftung bei Regen (Breaking Action) wurde mit Spezialgeräten geprüft. Die Oberfläche und allfällige Kanten wurden genau vermessen und ggf. nivelliert, die Pistenbeleuchtung (Centerline Lighting) eingebaut und kalibriert u.v.a. Schlussendlich nahmen die Französischen Behörden die neue Piste formell ab.
Der Taxiway Bravo: Dieser hatte bereits einen Asphaltbelag, welcher teilweise weggefräst und mit einer neuen, 45’000 Tonnen schweren neuen Teerschicht versehen wurde. Dafür wurde teilweise rezikliertes Material verwendet, und die vorgängig weggefräste Oberfläche wird ebenfalls zu einem gewissen Teil weiterverwertet. Dasselbe gilt übrigens auch für den Beton für die Piste!
Dauer der Arbeiten: Die Arbeiten kamen wie erwähnt schneller voran als geplant, denn man war bestrebt, das gute Wetter bestens auszunützen. Teilweise arbeiteten bis zu 1’000 Personen mit 400 Baumaschinen auf dem Platz. Sie «gaben richtig Gas»! Diese Zahlen und Fakten verdeutlichen, dass die Reparaturen bei laufendem Betrieb nicht zu bewerkstelligen gewesen wären. Denn ein Ersatz von Platte zu Platte des Nachts, wie früher bereits einmal praktiziert, hätte 400 Nächte während rund 7 Jahren gedauert…
Warum aber wurde die Piste denn nicht schon früher wieder geöffnet? «Alle Planungen konnten nicht einfach wieder rückgängig gemacht werden, denn der verkehrsfreie Zeitraum war durchgetaktet und auch zum Ferien- und Überstundenabbau verwendet; dies betraf auch die Luftverkehrskontrolle (ATC) in Basel, welche überdies zur Wiedereröffnung der Piste 15/33 intensive obligatorische Refresher für ihr Personal veranstalten musste. Und nicht zuletzt hatten die Airlines alle ihre Flüge entsprechend disponiert.«
Dieser Abschnitt war zum Zeitpunkt der Drucklegung anfangs Mai 2026 noch realität – und wurde so in der SkyNews Juni Ausgabe auch so publiziert. Allerdings wurde am 15. Mai bekannt gegeben, dass die renovierte Piste bereits am folgenden Tag – also dem 16. anstelle wie geplant am 23. Mai – wieder in Betrieb gesetzt werden konnte! Das unterstreicht, wie wichtig die raschestmögliche Wiederinbetriebsetzung war und wie umsichtig die Planung gemacht wurde!
Nun haben alle Beteiligten wieder Ruhe für ein paar Jahre. Zumindest beim Pistensystem – denn nächstes Jahr beginnen die Arbeiten für die Terminal-Erneuerungsarbeiten…
Robert Appel
Die IG-EUROAIRPORT ist eine unabhängige Interessensgruppe, welche die Anliegen und Bedürfnisse der Region, der Passagiere und der Industrie wahrnimmt. Ihre Argumentationen müssen nicht mit den offiziellen Verlautbarungen des EuroAirport übereinstimmen.
