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ROBERT APPEL, SKYNEWS NOVEMBER 2021: Fliegen ab Basel

Nachdem die diesjährigen Ferien-Reisewellen nach ausländischen Zielen grösstenteils vorüber sind, lässt sich feststellen, dass der Luftverkehr wieder langsam am Aufkommen ist. Ferienflüge sind wieder möglich und empfehlenswert!

Erwartungsvoll betrete ich eines der immer seltener werdenden Reisebüros und lasse mir Vorschläge unterbreiten, wie mein Urlaub zum Erholungserlebnis wird. Ferienstimmung kommt auf! (Kleine Randnotiz: der Schweizer Reise-Verband SRV hält eine öffentliche Werbekampagne darüber, dass die Buchung über ein Reisebüro immer noch diverse wichtige Vorteile bringt, nach wie vor nicht für nötig. Die serbelnde Reisebüro-Branche weiss es ihnen sicher zu danken.)

Allerdings nur für kurze Zeit: Die Reise soll nämlich nicht auf dem EuroAirport beginnen, sondern, Sie ahnen es, natürlich in Zürich. Nichts gegen unseren schweizer Landesflughafen Nr.1, aber der Landesflughafen Nr.3, Basel, dient der nordwestschweizerischen Bevölkerung und hat für die meisten Ziele auch gute Verbindungen. Bei den mehrheitlich in Zürich domizilierten CH-Reiseorganisationen ist sowas natürlich kein Thema – diese wollen ja vor allem ihre Maschinen füllen. So verkündigte einst das Branchenblatt Travel Inside sinngemäss, es müsse nicht immer Abflug Basel sein!

Schweizer Touroperators bevorzugen Zürich

Für mich ist es aber ein Thema, denn ich will nicht und kann nicht einsehen, warum ich meine Reisezeit um 2 x eineinhalb Stunden künstlich verlängern muss, plus Inkaufnahme zusätzlicher Reisekosten und satter Parkingkosten in Kloten. Den EuroAirport erreiche ich nämlich, bevor sich der Zug nach Kloten (mit Umsteigen in Zürich HB) überhaupt in Bewegung gesetzt hat! Während ab Basel ein wieder steigendes, gutes Angebot offeriert wird, operierte die Swiss an den Herbst-Wochenenden die Touristen mit Langstrecken-Widebodies z.B. nach Mallorca. Darunter sicherlich viele, die keine Ahnung hatten, dass ihre Reise auch auf dem EuroAirport hätte beginnen können!

Keine Werbung nötig

Die teilweise hervorragenden Buchungstools einzelner Airlines beschleunigen den bereits angesprochenen Niedergang der Reisebüros. Der Platzhirsch des EuroAirport, EasyJet, hat mit seiner hervorragenden Buchungs-App seine Kundschaft fest im Griff, und auch Wizz Air macht das direkte Buchen einfach. Die Internet-affinen Kunden suchen und finden ihre Verbindungen und buchen sie spontan.

Ein ansehnlicher Teil des Passagieraufkommens ab dem EAP ist so genannter VFR-Verkehr. Das hat nichts mit Sichtflugregeln zu tun, sondern bedeutet «Visiting Friends and Relatives» – was man früher ethnischen Verkehr nannte. Dies betrifft hauptsächlich Destinationen in der Türkei und dem Balkan. Diese Flüge sind wichtig für die zahlreichen Diasporas aus den genannten Gebieten, die traditionellerweise zur Ferienzeit ihre Familien im Heimatland besuchen und dieses Jahr ihre Rückreisen teilweise in den Intensivstationen beendeten – oder aber in der Quarantäne hätten ausharren müssen. Für diesen Verkehr benötigen die Airlines keine grossen Werbekampagnen, denn das spricht sich in der Community herum und deshalb sind ihre Airlines sind bestens arriviert.

Werbung unbedingt nötig

Vergangenen Sommer hat nun die Helvetic Airways – die kleine aber feine und erklärte grösste Airline in Schweizer Besitz – erfreulicherweise eine brandneue EMB195E2 auf dem EAP stationiert und bietet Direktflüge zu einer kleinen Auswahl an Feriendestinationen an. Auch ein eigenes Buchungstool ist im Netz zu finden. Nur – wer weiss denn das überhaupt? Wüsste ich das nicht von Berufes wegen, hätte ich es noch gar nicht bemerkt, denn die Helvetic ist in der Nordwestschweiz so gut wie unbekannt, nicht präsent! Eine Image- oder Produktekampagne führt sie nicht, oder ich habe sie einfach nicht wahrgenommen – beides gleich suboptimal. Hingegen prangt in Basel ein Grossteil der Plakatwände in oranger Farbe, und ein Flughafen-Bus fährt in voller EasyJet-Pracht. Das ist öffentliche Wahrnehmung! Und sie hat Erfolg, wie auch die TUI.

Der schweizer Kundschaft, die ihre klassischen Feriendestinationen anfliegen möchten, stünde also ein breites Angebot zur Verfügung. Nun braucht es bei einigen Airlines einfach noch eine bessere Medienpräsenz, um ihre Produkte einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Dann können die Nordwestschweizer auf Flüge ab Basel bestehen, bequem vom EuroAirport aus! Falls das nicht möglich ist: einfach das Reisebüro wechseln oder direkt buchen!

Schöne nächste Ferien – ab Basel, selbstverständlich!

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