Robert Appel, Beitrag SkyNews: RNAV-SID15 auf dem EuroAirport

01.11.2019

Robert Appel, Beitrag SkyNews: RNAV-SID15 auf dem EuroAirport

Die französische Flugsicherungsbehörde DSNA (Direction des Services de la navigation aérienne) hat per Ende Januar für alle Instrumentenabflüge ab dem EuroAirport (SID – Standard Instrument Departures) das satellitengesteuerte Flächennavigationsverfahren (RNAV, Route Navigation) entsprechend dem heutigen internationalen Standard eingeführt. Der Hauptzweck der RNAV ist eine genauere Navigation und somit die Reduktion von Abweichungen von den vorgeschriebenen Routen.

Worum geht es? Konventionelle, von Hand geflogene SID’s basieren auf terrestrischen Funkfeuern (VOR, NDB oder DME). VOR’s und DNB‘s müssen dabei nicht zwingend überflogen, sondern können auch angepeilt werden (Radials). RNAV-SID’s kombinieren diese Informationen nun mit Satellitennavigation (GPS, Galileo) für die Definition und Aktivierung zusätzlicher Wegpunkte. Diese Daten ermöglichen komplexere Abflugrouten mit hoher Genauigkeit, zum Beispiel aus Sicherheitsgründen oder für die Lärmreduktionen (Noise Abatement Procedures), was die Anzahl der durch Fluglärm belasteten Personen reduziert. Die so codierten Routen sind in den Flight Management Systems (FMS) der Flugzeuge für die vollautomatische Navigation fest einprogrammiert. Dasselbe gilt selbstverständlich auch für die Anflüge.

Während die Streuung der geflogenen Spuren seit der Einführung von RNAV tatsächlich signifikant geringer geworden ist, musste jedoch ein anderes, unangenehmes Phänomen konstatiert werden: Die Abflugkurve für Südstarts nach Westen (Right Turn Out) nach Passieren des Funkfeuers BS verläuft nun flacher und etwas später als bisher. Die Folge: der Grossteil der Abflüge nach der Rechtskurve verläuft seither weiter südlich und bestreicht somit in einem erheblichen Masse den Norden Allschwils und der Gemeinde Schönenbuch. Das war so natürlich nicht geplant und vor allem nicht im Sinne des Erfinders!

Der EuroAirport hat diese Problematik sofort und proaktiv aufgenommen und untersucht nun in Zusammenarbeit mit den französischen Flugsicherungsbehörden, warum das so ist und wie dieser Zustand wieder behoben werden kann. Erste Ergebnisse sind auf anfangs 2020 zu erwarten. Bis dahin sind Erklärungen über die Gründe reine Spekulation.

Spekulationen sind nicht ganz unsere Sache, dafür aber Hintergrundinformationen zum besseren Verständnis: Bei allen SID’s ab Rwy15 muss eine Rechtskurve nach Westen unmittelbar nach Passieren von BS oder 3,5 DME, und 1‘300 ft, rechts auf Kurs mit Intercept eines Radials geflogen werden.

RNAV verlangt den Überflug BS auf min. 1‘900 ft AGL (Above Ground Level), dann einen Track auf einen definierten Punkt, z.B. SB612, mit max. 220 kts Geschwindigkeit, dann zum nächsten Punkt etc.

Wird ein SID manuell geflogen, so wird der Pilot unmittelbar nach Überfliegen von BS sofort nach rechts drehen, mit einer Querneigung von 25° bis maximal 30° bank. Bei der automatischen Navigation mit RNAV hingegen berechnen die Navigationscomputer aufgrund der herrschenden Bedingungen alle Steuerbefehle jeweils neu und leiten deswegen die Kurve möglicherweise etwas verzögerter und träger ein als bei einem konventionell von Hand geflogenen SID. Bei einer Geschwindigkeit von 220 Knoten (vorher 210 kts) können aber wenige Sekunden bereits eine deutliche Versetzung der Kurve nach Süden bewirken.

Grundsätzlich klingt das alles logisch, ist aber wie gesagt Spekulation. Es bleibt abzuwarten, zu welchen Schlüssen die DSNA kommt und welche korrektiven Massnahmen ergriffen werden. Denn das Ziel ist ja, konsequent über möglichst dünn besiedeltes Gebiet zu fliegen und dadurch die Anzahl der vom Fluglärm betroffenen Menschen zu reduzieren!

  • SID15 Manueller Abflug
  • SID15, RNAV